Art and artists in Afghanistan:

 

 

Workshop Discovering Democracy - Young Kabul Art 2007|2-13. März 2007 | Kabul

 

organisiert von: Leonhardi Kulturprojekte: Felicia Herrschaft, Philipp von Leonhardi

 

 

Ausstellung | „Discovering Democracy - Young Kabul Art 2007“ | 15. März 2007 | Kabul Kuratiert von Rahraw Omarzad, CCAA Kabul

 

 

Künstler und Künstlerinnen | artists: Nabila Ahmade, Ebrahim Bamiyani, M.Sulaiman-Dawlatzay, Mariam Formuly, Momin Formil, Ommolbanin (Shamsia) Hassani, M. Reza Hosaini, Shabnam Ibrahimi, Wakil Kohsar, M. Nasir Mansurz, Asiya Moheby, Batol Moradi, Jahan Ara Rafi, Mariam Rasool, M.Tamin-Sahebzada, Ramzia Tajzada

 

 

 

 

Verwelkte Rose auf Lehm: Aufbruch junger Kunst in Kabul

Feuilleton, Frankfurter Rundschau, Artikel vom 5. April 2007

 

VON FELICIA HERRSCHAFT

 

 

Der Künstler Rahraw Omarzad gründete im Jahr 2004 das "Center for Contemporary Arts Afghanistan" (CCAA) in Kabul. Als engagierter Modernisierer der afghanischen Kunst gibt er auch das Kunstmagazin Gahnama-e Hunar heraus, das als Reaktion auf das Verbot sämtlicher künstlerischer Aktivitäten durch die Taliban entstand. Mit Gahnama-e Hunar soll die jahrzehntelange künstlerische Isolation überwunden werden.

 

Das Magazin versteht sich auch als Sprachrohr für die junge afghanische Szene. Künstler kämpfen dort gegen zahlreiche Widerstände, weil sie ohne Infrastruktur, ohne Ausstellungsräume und ohne staatliche Förderung ihre neue Sicht auf die Gesellschaft behaupten müssen. Das Magazin vermittelt aktuelle künstlerische und literarische Positionen und beschreibt die Suche nach kultureller Identität im Spannungsverhältnis zwischen individuellen Ansprüchen und kollektiven Rücksichtnahmen.

 

Rahraw Omarzad schildert seine Beobachtungen von afghanischen Individuen in ihrer Einsamkeit. So entwickelt er eine neue Vorstellung, die das Individuum anerkennt, für das der Künstler den Rahmen setzt. An erster Stelle aber steht für ihn wie für seine Kollegen die Frage: Wie überlebt man als Künstler, wenn das Leben permanent bedroht ist? "Vielleicht bestehen Überlegenheit und Glück der Toten darin, dass sie niemals durch Hunger und

Kälte zum Leben erwachen, während die Lebenden an Hunger und Kälte sterben", schreibt der Autor Khalid Nawisa in der Erzählung Basar.

 

Die Konrad Adenauer Stiftung in Kabul und der Frankfurter Verein Leonhardi Kulturprojekte boten in Kabul jüngst einen Workshop an: "Discovering Democracy - Young Kabul Art 2007". Die Teilnehmerinnen erhielten zunächst Fototoapparate, um die Suche nach künstlerischer Identität und die Perspektive auf das Neue in Kabul, die Entwicklung demokratischer Strukturen zu dokumentieren.

Ein Ergebnis: Die meisten Fotos wurden aus dem Auto geschossen - bei geschlossenem Fenster: "Wir haben uns nicht getraut", war die Erklärung der Künstlerinnen, die sich längst nicht frei bewegen können und sich auch verschleiern: Die Gesellschaft hat ihre Schutzfunktion verloren.

 

Shamsia, eine 19-jährige CCAA-Studentin, zeichnete einen Zug, der mit

rasender Geschwindigkeit und afghanischer Flagge in eine hoffnungsgrüne Landschaft fährt. Auf einer anderen Zeichnung schlägt eine Faust durch eine Scheibe und hält die Freiheit fest, bevor sie wieder verschwindet. Die Aufnahme einer verwelkten Rose auf verkrustetem Lehmboden, von Reza Hosseini fotografiert, versinnbildlicht die Lage.

 

In einer Demokratie werden kulturelle Erfahrungsräume bereitgestellt, die

Künstler in ihrer Aktivität schützen. Die klagen diese Schutzfunktion ein,

indem sie Strategien entwickeln, öffentlichen Raum für ihre Arbeiten

einzufordern. Einen Raum, der ganz in Rot gehalten sein sollte, schlug eine

junge Künstlerin als Antwort auf die Frage nach der Bedeutung der Farbe rot in ihrer Heimat vor: So würde die Zerstörung ihrer Kultur symbolisiert. Die afghanische Gesellschaft regeneriert sich, auch in diesen Arbeiten von Künstlern, die zeigen, dass sie kulturelle Erfahrungsräume gestalten können. Doch sind ihre Räume blutdurchtränkt, weil das Leben weiterhin gefährdet ist.

Eine Ausstellung in Berlin und Frankfurt ist in Planung.